Bochum schlägt Dortmund: Vor 50 Jahren entscheidet der NRW-Landtag über den Hochschulstandort Große Jubiläen werfen ihre Schatten voraus: 2015 wird die Ruhr-Universität Bochum ihr 50-jähriges Bestehen feiern; sie nahm im Herbst 1965 ihren Lehrbetrieb auf. Doch bereits der 18. Juli 1961 war ein einschneidendes Datum in der Geschichte der Universität: An diesem Tag sprach sich der NRW-Landtag für Bochum als Standort für die erste Neugründung einer Universität im Nachkriegsdeutschland aus. Zuvor hatte lange Zeit Dortmund als Favorit gegolten. Bewegte Vorgeschichte Der 18. Juli 1961 steht an prominenter Stelle der meisten Zeitleisten zur Geschichte der Ruhr-Universität. Doch die Landtagsentscheidung pro Bochum hatte eine bewegte Vorgeschichte. Lange Zeit war der Standort Dortmund für die neue Hochschule unumstritten. Die damals in der Opposition befindliche SPD hatte mehrfach entsprechende Anträge gestellt; auch die westfälische CDU hatte sich noch im Juni 1960 in einem Ausschuss auf die Konzeption einer Technischen Universität in Dortmund geeinigt. Nur ihr Vorsitzender, Innenminister Josef Hermann Dufhues (CDU), verweigerte die Unterschrift unter das Protokoll. Stattdessen schaltete der Bochumer Rechtsanwalt Kommunalpolitiker aus seiner Heimatstadt ein, damit diese Lobbyarbeit betrieben. Dass die Bochumer, mit Plänen des Querenburger Geländes bewaffnet, Ende Juli 1960 im Landesplanungsamt auf offene Ohren stießen, ist auf die Einflussnahme Dufhues' zurückzuführen. Der Innenminister konnte auch Ministerpräsident Franz Meyers (CDU) und die Kabinettskollegen auf seine Seite bringen. Für die CDU-Regierung hatte die Option Bochum verschiedene Vorteile: Sie konnte sich nicht nur in der Frage der Ausgestaltung der Hochschule - Technische Universität oder (Voll-)Universität -, sondern auch beim Standort von der Opposition absetzen und ein eigenes Konzept präsentieren. Die Entscheidung Mit der Offenlegung dieser Pläne im November 1960 begann der sog. Städtekampf zwischen Bochum und Dortmund. Bei den Besichtigungen der Standorte durch die Mitglieder des Landtages im Januar und Juni 1961 überbot man sich gegenseitig mit Höflichkeiten. Unter den Landespolitikern verlief die Grenze genau zwischen den Parteien -abgesehen davon, dass die Bochumer SPD dem Regierungsplan positiv gegenüberstand, während er die CDU in Dortmund in eine Zwickmühle trieb. In der Fraktionssitzung vom 3. Juli 1961 versuchte die CDU, ihre Reihen zu schließen. Jedoch drängten potentielle Abweichler die Regierungsmitglieder zu einer eindeutigen, öffentlichen Stellungnahme. In einer Sitzungspause trafen diese sich deshalb zu einer außerordentlichen Kabinettssitzung, in der sie ihre Empfehlung "Bochum" förmlich beschlossen. Nun ging auch die SPD in die Offensive: Sie brachte im Landtag erneut ihren Antrag auf Errichtung einer Hochschule in Dortmund ein. Mit der Regierungsmehrheit wurde er zunächst im Haupt- und Kulturausschuss und schließlich auch im Landtag abgelehnt. Gleichzeitig wurde der Empfehlung der Landesregierung zugestimmt. Damit war am 18. Juli 1961 die Entscheidung für Bochum offiziell gefallen. Top-Thema in RUBENS Die Landtagsentscheidung vom Juli 1961 ist zugleich das Top-Thema der aktuellen RUBENS-Ausgabe, die am 1. Juli erschienen ist. Die Zeitschrift der Ruhr-Uni beleuchtet zurzeit in einer Serie ("RUB minus 50") den Entstehungsprozess der Universität. Dabei blickt RUB-Archivar Jörg Lorenz immer exakt 50 Jahre zurück. Kompletter Artikel im Netz unter: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubens/pdfs/rubens153.pdf

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Fabian Engstermann M.Sc.

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